27 Mrz

Wenn unsere Aufmerksamkeit blinzelt

Wenn unsere Aufmerksamkeit blinzelt.
von Dirk W. Eilert, Eilert Akademie, Berlin

Vielen Dank, Dirk, für diesen Big Data Beitrag der anderen Art.

Einleitung
Die Analyse von „Big Data“ ist für unser Gehirn eine alltägliche Übung – über 1 GB an Informationen erreichen all‘ unsere Sinne in jeder Sekunde. Dass wir damit zu Recht kommen, verdanken wir einem meistens perfekten Zusammenspiel von limbischen System und frontalem Kortex – oder: Intuition und Denken. Und wir können unsere Filter trainieren und neu konfigurieren.

Dirk W. Eilert
Es gibt in der Forschung Hinweise darauf, dass Menschen, die regelmäßig meditieren, Mikroexpressionen besser erkennen. Und das auch, wenn sie nie ein spezielles Training zur Mikroexpressionserkennung absolviert haben. Woran genau das liegt, hat die Wissenschaft noch nicht rausgefunden. Zwei Vermutungen liegen nah. Der bekannte deutsche Neurophysiologe Wolf Singer sagt dazu: „Es ist noch unklar, ob Meditationsgeübte die Mikroexpressionen besser wahrnehmen, weil sie einen reduzierten attentional blink haben oder weil sie die Kontrolle von Emotionen besonders trainiert haben.“ (den kompletten Beitrag von Wolf Singer finden Sie hier)

Der attentional blink (deutsch: Aufmerksamkeitsblinzeln) ist ein Phänomen der Kognitionspsychologie. Dabei handelt es sich um eine sehr kurze Aufmerksamkeitslücke, die auftritt, wenn uns in einer schnellen Folge visuelle Reize präsentiert werden – so wie es auch bei Mikroexpressionen der Fall ist. Da uns diese Lücke normalerweise nicht auffällt, ist es eine faszinierende Erfahrung, wenn man es zum ersten Mal erlebt.

In diesem Experiment sehen Sie eine schnelle Abfolge von Buchstaben. Jeder Buchstabe wird dabei für nur 100 Millisekunden eingeblendet. Ihre Aufgabe ist es zu erkennen, welche beiden Buchstaben nach dem M erscheinen.

Hier können Sie das attentional blink-Experiment machen:

Und haben Sie es geschafft, die beiden Buchstaben nach dem M zu erkennen? Die meisten sehen nur den ersten Buchstaben nach dem M. Das ist ein völlig natürliches Phänomen. Denn jedes Mal, wenn unser Gehirn auf etwas Neues fokussiert (in unserem Video-Experiment der erste Buchstabe nach dem M) oder wenn wir etwas Überraschendes sehen, entsteht für ungefähr eine halbe Sekunde eine Aufmerksamkeitslücke – das ist der attentional blink. Das kann auch in einem Gespräch passieren. So können Ihnen wichtige nonverbale Signale – wie Mikroexpressionen – entgehen.

Nicht nur Meditieren hilft das Aufmerksamkeitsblinzeln zu reduzieren. Auch wenn Sie regelmäßig trainieren, Mikroexpressionen und andere nonverbale Signale zu erkennen, wird diese Lücke in Gesprächen kleiner. Und je kleiner die Aufmerksamkeitslücke, desto mehr bekommen Sie mit.

Dirk W. Eilert, Berlin

 

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