09 Aug

Brecht, 17. Juni, Wiki Leaks, Ed Snowden, PRISM, Xkeyscore…

Erinnern Sie sich auch an die gebetsmühlenhafte Wiederholung des Satzes „Die Welt  wird eine andere sein nach 9/11?“. Solange, bis sich dies in die Hirne eingefressen hat? Bitte – keine Verschwörungstheorien. Nur einfach Nachdenken, was aus dieser kollektiven Referenz gemacht wurde.

Ja, 9/11 war ein Schock für die USA, im eigenen Land von „aussen“ „angegriffen“ zu werden, so als wenn jemand in das gesicherte Haus einsteigt, klaut und es verwüstet. Aber es wurde auch so oft als „Schock“ kommuniziert, bis es kollektiv als einschneidend empfunden wurde und als gemeinsame Referenz für „das darf nie wieder passieren“ für das Land gelten konnte. Ergebnis: Keine Heilung für die kollektive Seele, sondern eine Traumatisierung, die verankert wurde.

Reflexartig reagiert die kollektive Amygdala nun auf alles, was als „Bedrohung“ bezeichnet werden kann – und misstraut. Aber wem, wann? Woher stammt „die Bedrohung“, von innen oder aussen – oder von ganz innen, unserer Psyche? Wer hat was von der Bedrohung? Wer hat was von der Sicherung eines Landes?

Gedanken, die in der Frage münden: Ist es besser, wenn ein Staat erst einmal jedem misstraut? Wer ist dann der Staat? Die Regierung?

Das folgende Zitat finde ich nachdenkenswert:

„Die Lösung“ aus Brechts Bukower Elegien.
Nach dem Aufstand des 17. Juni ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands in der Stalinallee Flugblätter verteilen, auf denen zu lesen war, daß das Volk das Vertrauen der Regierung verscherzt habe. Und es nur durch doppelte Arbeit zurückerobern könne.
Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?
 

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